Aktuelles aus dem Institut

Hölzernes Kristallmodell nach 50 Jahren zurück an der TU Clausthal

Bei seiner Prüfung in Mineralogie Anfang der 1970er-Jahre hatte ein Student das gute Stück „aus Versehen“ eingesteckt. Ein halbes Jahrhundert später brachte der TU-Absolvent es nun zurück.

Es sieht aus, wie ein feiner, brauner Bauklotz, nur etwas größer als ein Spielwürfel und mit wesentlich mehr Flächen. Dieses Holzmodell eines Kristalls, das eigentlich zum Bestand der Clausthaler Mineralogie gehört, hatte jahrzehntelang auf einem Schreibtisch im Institut für Materialforschung der Universität Karlsruhe zugebracht. Bei der Feierstunde zum 50. Diplomjubiläum in der Aula Academica der TU Clausthal rückte das Modell nun in den Blickpunkt. Einer der Jubilare, Claus Petersen, zauberte es aus seiner Tasche hervor, als er zur Übergabe des goldenen Diploms aufgerufen wurde. Während Prof. Christian Bohn, Vizepräsident für Studium und Lehre, ihm die Urkunde aushändigte, überreichte der Clausthaler Absolvent dem Vizepräsidenten das Kristallmodell. Dazu erzählte er augenzwinkernd die Geschichte, wie das Holzstück vor 50 Jahren im Zuge der Mineralogie-Prüfung versehentlich in seine Tasche gefallen war.

Der Diplom-Mineraloge muss schmunzeln

Damit alles wieder seine Richtigkeit hat, reichte Prof. Bohn das Holzmodell an die Clausthaler Mineralogen weiter, genauer gesagt an den Kustos der Geosammlung Dr. Wilfried Ließmann. Der Diplom-Mineraloge musste angesichts des Holzklötzchens gleich schmunzeln: „Das ist ein Pentagonikositetraeder, ein 24-Flächner, das ist schon ein schwieriges Modell. Ich hätte es für eine Prüfung eher nicht genommen.“

Stellt sich aus heutiger Sicht die Frage: Wie liefen solche Prüfungen damals an der TU Clausthal eigentlich ab? Dr. Ließmann, der 1978 das Mineralogiestudium in Clausthal aufgenommen hatte, blickt zurück: Zur Ausbildung der angehenden Diplom-Ingenieure in Bergbau, Aufbereitung oder Hüttenwesen gehörte damals ein relativ gründliches Basiswissen in Mineralogie und Kristallographie. Verpflichtende Lehrveranstaltung am Mineralogisch-kristallographischen Institut war die „Allgemeine Mineralogie“. Gelernt werden musste unter anderem das Erkennen von Kristallsymmetrien. Das heißt, es galt richtig einzuschätzen, in welches der sieben Kristallsysteme ein Körper gehört. Zum Üben fanden kleine, sorgfältig aus Edelholz gefertigte Modelle Verwendung, die vermutlich noch aus der Zeit der Königlichen Bergakademie stammten, aber in ihrer didaktischen Wirkung eben zeitlos sind. Hierbei galt es einen Blick dafür zu erwerben, wo sich Spiegelebenen, Drehachsen und Symmetriezentren verstecken. Dies fiel vielen der meist nicht „primär motivierten“ Kandidaten nicht immer leicht, erinnert sich Ließmann. Das sogenannte „Klötzchendrehen“ war gefürchtet und gerade für Bergleute oft viel zu filigran und fachfremd.

Anspruchsvolles Modell mit 24 Flächen, 38 Ecken und 60 Kanten

Bei der Vorlage eines solchen Holzmodells in der Prüfung hoffte der Prüfling auf eine möglichst leichte Form, etwa einen der berühmten „Platonischen Körper“, die einen gewissen Wiedererkennungswert besaßen. Im Fall des hier vorliegenden Pentagonikositetraeders handelt es sich allerdings eher um einen „harten Brocken“, so Ließmann. Der aus 24 asymmetrischen Fünfecken bestehende kubische „24-Flächner“ mit seinen 38 Ecken und 60 Kanten sei auch für geübte Mineralogen keine ganz einfache Kost. 50 Jahre brauchten die Prüflinge diese schwierige Aufgabe an der TU Clausthal nicht zu fürchten. Nun allerdings liegt das Klötzchen wieder in der Kiste mit den anderen Modellen der mineralogischen Lehrsammlung und kann wieder den Studierenden vorgelegt werden. 

Kontakt:
TU Clausthal
Pressesprecher
Christian Ernst
Telefon: +49 5323 72-3904
E-Mail: christian.ernst@tu-clausthal.de

Zwei Wissenschaftler stehen im Geomuseum der TU Clausthal.

TU-Vizepräsident Prof. Christian Bohn (rechts) gibt das Holzmodell eines Kristalls an Dr. Wilfried Ließmann, den Kustos der Geosammlung der TU Clausthal, weiter. Nach 50 Jahren in der Fremde war das gute Stück von einem Alumnus an die Harzer Universität zurückgebracht und wieder in die Kiste mit den anderen Modellen der mineralogischen Lehrsammlung – siehe Foto unten – gelegt worden. Fotos: Sofia Dell‘Aquila

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Hölzernes Kristallmodell nach 50 Jahren zurück an der TU Clausthal

Bei seiner Prüfung in Mineralogie Anfang der 1970er-Jahre hatte ein Student das gute Stück „aus Versehen“ eingesteckt. Ein halbes Jahrhundert später brachte der TU-Absolvent es nun zurück.

Es sieht aus, wie ein feiner, brauner Bauklotz, nur etwas größer als ein Spielwürfel und mit wesentlich mehr Flächen. Dieses Holzmodell eines Kristalls, das eigentlich zum Bestand der Clausthaler Mineralogie gehört, hatte jahrzehntelang auf einem Schreibtisch im Institut für Materialforschung der Universität Karlsruhe zugebracht. Bei der Feierstunde zum 50. Diplomjubiläum in der Aula Academica der TU Clausthal rückte das Modell nun in den Blickpunkt. Einer der Jubilare, Claus Petersen, zauberte es aus seiner Tasche hervor, als er zur Übergabe des goldenen Diploms aufgerufen wurde. Während Prof. Christian Bohn, Vizepräsident für Studium und Lehre, ihm die Urkunde aushändigte, überreichte der Clausthaler Absolvent dem Vizepräsidenten das Kristallmodell. Dazu erzählte er augenzwinkernd die Geschichte, wie das Holzstück vor 50 Jahren im Zuge der Mineralogie-Prüfung versehentlich in seine Tasche gefallen war.

Der Diplom-Mineraloge muss schmunzeln

Damit alles wieder seine Richtigkeit hat, reichte Prof. Bohn das Holzmodell an die Clausthaler Mineralogen weiter, genauer gesagt an den Kustos der Geosammlung Dr. Wilfried Ließmann. Der Diplom-Mineraloge musste angesichts des Holzklötzchens gleich schmunzeln: „Das ist ein Pentagonikositetraeder, ein 24-Flächner, das ist schon ein schwieriges Modell. Ich hätte es für eine Prüfung eher nicht genommen.“

Stellt sich aus heutiger Sicht die Frage: Wie liefen solche Prüfungen damals an der TU Clausthal eigentlich ab? Dr. Ließmann, der 1978 das Mineralogiestudium in Clausthal aufgenommen hatte, blickt zurück: Zur Ausbildung der angehenden Diplom-Ingenieure in Bergbau, Aufbereitung oder Hüttenwesen gehörte damals ein relativ gründliches Basiswissen in Mineralogie und Kristallographie. Verpflichtende Lehrveranstaltung am Mineralogisch-kristallographischen Institut war die „Allgemeine Mineralogie“. Gelernt werden musste unter anderem das Erkennen von Kristallsymmetrien. Das heißt, es galt richtig einzuschätzen, in welches der sieben Kristallsysteme ein Körper gehört. Zum Üben fanden kleine, sorgfältig aus Edelholz gefertigte Modelle Verwendung, die vermutlich noch aus der Zeit der Königlichen Bergakademie stammten, aber in ihrer didaktischen Wirkung eben zeitlos sind. Hierbei galt es einen Blick dafür zu erwerben, wo sich Spiegelebenen, Drehachsen und Symmetriezentren verstecken. Dies fiel vielen der meist nicht „primär motivierten“ Kandidaten nicht immer leicht, erinnert sich Ließmann. Das sogenannte „Klötzchendrehen“ war gefürchtet und gerade für Bergleute oft viel zu filigran und fachfremd.

Anspruchsvolles Modell mit 24 Flächen, 38 Ecken und 60 Kanten

Bei der Vorlage eines solchen Holzmodells in der Prüfung hoffte der Prüfling auf eine möglichst leichte Form, etwa einen der berühmten „Platonischen Körper“, die einen gewissen Wiedererkennungswert besaßen. Im Fall des hier vorliegenden Pentagonikositetraeders handelt es sich allerdings eher um einen „harten Brocken“, so Ließmann. Der aus 24 asymmetrischen Fünfecken bestehende kubische „24-Flächner“ mit seinen 38 Ecken und 60 Kanten sei auch für geübte Mineralogen keine ganz einfache Kost. 50 Jahre brauchten die Prüflinge diese schwierige Aufgabe an der TU Clausthal nicht zu fürchten. Nun allerdings liegt das Klötzchen wieder in der Kiste mit den anderen Modellen der mineralogischen Lehrsammlung und kann wieder den Studierenden vorgelegt werden. 

Kontakt:
TU Clausthal
Pressesprecher
Christian Ernst
Telefon: +49 5323 72-3904
E-Mail: christian.ernst@tu-clausthal.de

Zwei Wissenschaftler stehen im Geomuseum der TU Clausthal.

TU-Vizepräsident Prof. Christian Bohn (rechts) gibt das Holzmodell eines Kristalls an Dr. Wilfried Ließmann, den Kustos der Geosammlung der TU Clausthal, weiter. Nach 50 Jahren in der Fremde war das gute Stück von einem Alumnus an die Harzer Universität zurückgebracht und wieder in die Kiste mit den anderen Modellen der mineralogischen Lehrsammlung – siehe Foto unten – gelegt worden. Fotos: Sofia Dell‘Aquila

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